"Street Photographie" - Thomas Wilden (Photo-Journalist)

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Montag, 15. Februar 2016

Filmabend - "How to change the world", 22 February 19:00 Uhr,

ISSOlabISSOlab im Dreikönigenhaus, Kornpfortstraße 15, 56068 Koblenz, 
 Weltretten für Anfänger
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Mit Orakeln gegen Walfänger: Die Doku „How to Change the World“ zeichnet die chaotischen frühen Tage von Greenpeace nach – berührend, faszinierend und wunderbar nostalgisch.

1500 Filmdosen, jede für sich eine Zeitkapsel – der Regisseur Jerry Rothwell hob diesen Schatz in den Greenpeace-Archiven in Amsterdam, als er eigentlich für ein anderes Projekt recherchierte. Auf 16-Millimeter-Film sind dort die Flegeljahre der Bewegung zu sehen, von den ersten Aktivisten der Organisation selbst mit der Handkamera festgehalten: auf dem Seeweg zum Atombombentest, im Visier von Walfängern, vorm Bug von Robbenjägern.

Der Fund ist eine kleine Sensation. Bis aus dem unbehauenen Rohmaterial ein Film wurde, dauerte es aber Jahre. Rechte wurden geklärt, Investoren gesucht, empfindliche Bänder digitalisiert. Das Ergebnis, „How to Change the World“, ist kein Film von, sondern über Greenpeace: Rothwell schaut von außen tief ins Innere der Organisation, humorvoll, kritisch, aber immer fasziniert. Seinen Hauptdarsteller fand er in Bob Hunter, dem ersten Greenpeace-Präsidenten: Die Memoiren des 2005 verstorbenen Mitgründers liefern den lakonischen Erzähltext aus dem Off.

Geburtsstunde einer Bewegung
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Der Film verliert kaum Zeit, bis er seine langhaarigen, schnurrbärtigen Protagonisten in einem kaum hochseetauglichen Schiff, der „Phyllis Cormack“ , aufs Meer schickt. Zur Besatzung gehören Hunter, der Seemann Paul Watson, der Wissenschaftler Patrick Moore und weitere Idealisten. „Auf jeden Mystiker kommt ein Mechaniker“ – so beschreibt ein Gründungsmitglied diese Urform von Greenpeace: ein durchaus entzündliches Mischungsverhältnis.

Ihre Absicht ist es, einen unterirdischen Atombombentest auf der Insel Amchitka vor der nordamerikanischen Ostküste zu verhindern. Rückschläge und ein wachsender Lagerkoller zwingen die „Phyllis Cormack“ – bald umbenannt in „Greenpeace“ – allerdings zur vorzeitigen Umkehr.

Auf einer Nussschale gegen die USA
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Durchsetzt mit aktuellen Interviews der noch lebenden Mitstreiter zeichnet „How to Change the World“ eindrücklich das Bild einer Niederlage, die unerwartet zum Triumph wurde: Die mit eingezogenem Schwanz nach Vancouver zurückschippernden Hippies werden im Hafen wie Helden begrüßt – die eigentliche Geburtsstunde der Bewegung. Die amerikanische Regierung setzt aufgrund des öffentlichen Drucks kurz darauf ihre Testreihe aus. Bob Hunters „Mindbomb“ – sein Begriff für die plötzliche, umfassende Veränderung eines Bewusstseins – hatte gezündet. Heute ist Greenpeace in über 40 Ländern vertreten und wird von 2,8 Millionen Menschen weltweit aktiv unterstützt.

Ganz besonders spannend ist „How to Change the World“, wenn er das Chaos und den Gestaltungswillen der Bewegung porträtiert, die erst noch auf den Namen „Greenpeace“ kommen muss. Und die so unerfahren wie unverfroren Dinge einfach anpackt – und sei es, in einer Nussschale loszufahren, um den Atombombentest einer Weltmacht zu verhindern. Von der Professionalität heutiger Kampagnen ist das weit entfernt: Auf der Jagd nach Walfängern wird vor der Weiterfahrt erst einmal das "I Ging", ein chinesisches Orakel, befragt. Die Mystiker sind am Ruder.

Zum Nachahmen empfohlen
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Die Politik der Organisation und was es bedeutet, sie anzuführen, ist für Rothwell ähnlich uninteressant, wie es für den widerwilligen Anführer Bob Hunter war. Eine lückenlose Geschichte der Anfangstage von Greenpeace ist „How to Change the World“ auch nicht, schon weil wichtige Gründungsmitglieder wie Jim und Marie Bohlen oder Irving und Dorothy Stowe nur nebenbei Erwähnung finden.

Dem Reiz des Films tut das keinen Abbruch. Der ratgeberhafte Titel – „Wie man die Welt verändert“ ­– klingt zum Ende mehr als eine Spur ironisch: Die Spannungen und die Kopflosigkeit der frühen Jahre sind schließlich alles andere als ein Schritt-für-Schritt-Rezept für Erfolg. Geklappt hat es aber dennoch. Die Welt ist dank der Besatzung der „Phyllis Cormack“ eine andere: Weil sich grundverschiedene Menschen für ein gemeinsames Ziel stark gemacht haben. Und das ist unbedingt zum Nachahmen empfohlen.


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